"Wie Glücksspiel" - Heftige Kritik an Bayern-Abwehr

Als sich der FC Bayern München im vergangenen Frühsommer nach langem Hin und Her auf Vincent Kompany als neuen Cheftrainer festlegte, zuckte so mancher Fan oder Experte verwundert mit den Augenbrauen. Der Coach, der gerade sang und klanglos mit dem FC Burnley aus der Premier League abgestiegen war, sollte jetzt den deutschen Rekordmeister zurück in die Spur bringen? Die Skepsis war groß, verschwand aber auch recht schnell wieder. Denn Kompany legte einen starken Start in seine Bayern-Amtszeit hin und beeindruckte vor allem mit intensivem Pressing und torreichem Offensivfußball.
In den vergangenen Tagen bekamen die Bayern-Anhänger allerdings auch ein anderes Gesicht ihrer Mannschaft zu sehen. In den wichtigen Duellen mit Bayer Leverkusen in der Bundesliga (0:0) und Celtic Glasgow in der UEFA Champions League (1:1) setzte Kompany auf eine deutlich defensivere Grundordnung, hielt sich speziell gegen die Werkself offensiv zurück und vertraute auf die Kompaktheit gegen den Ball - mit Erfolg. Beide Spiele endeten zwar nur Unentschieden, die eigenen Ziele wurden damit aber erreicht.
Und dennoch nutzte Ex-Bayern-Profi Markus Babbel das Champions-League-Rückspiel gegen Celtic Glasgow, um heftige Kritik an der Hintermannschaft des FCB zu üben. "Das ist zu oft Glücksspiel unter freiem Himmel, was die Bayern-Abwehr da zeigt", schäumte er gegenüber dem kicker und bezog sich dabei im Speziellen auf den Gegentreffer zum 0:1, der die Münchner beinahe in die Verlängerung bugsiert hätte, hätte Alphonso Davies nicht tief in der Nachspielzeit der zweiten Halbzeit noch ausgeglichen und damit den Achtelfinaleinzug fixiert.
Dabei war Dayot Upamecano etwas zu weit aufgerückt und die eigentlich dennoch geklärte Situation nochmal heiß geworden, nachdem Kim Min-jae im Zweikampf mit Nicolas Kühn am Ball vorbeigrätschte und dem ehemaligen Münchner damit freie Bahn auf das Bayern-Tor von Manuel Neuer verschaffte. Babbel bezeichnet dies als "unfassbare Konzentrationsschwächen, die immer wieder für Herzklopfen sorgen" und kritisiert darüber hinaus "abenteuerliche Pässe oder Tacklings oder andere Ideen, die sie zuweilen haben", die ständig für Stressmomente für die gesamte Mannschaft sorgen würden.
Dem ehemaligen Bundesliga-Coach des VfB Stuttgart wäre es daher wohl ein Herzensprojekt, die Bayern-Innenverteidigung im kommenden Sommer personell umzubauen. Doch ist seine Kritik überhaupt berechtigt? Fakt ist, dass Kompany die Bayern-Defensive trotz aggressivem Offensivfußball im Vergleich zur Vorsaison deutlich stabilisiert hat. Unter dem Belgier schießen die Münchner im Schnitt mehr Tore pro Spiel als noch unter Thomas Tuchel (2,74 zu 2,45) und kassieren gleichzeitig im Schnitt auch weniger Tore pro Spiel (0,97 zu 1,29).
Den ein oder anderen Wackler bei Upamecano und Kim kann man allerdings auch nicht wegdiskutieren, auch wenn sich ihre Leistung in Summe deutlich stabilisiert hat gegenüber der Saison 2023/24. Wie gut die Bayern-Defensive wirklich ist? Das wird sich wohl in den kommenden Wochen zeigen, wenn es in der Champions League erneut gegen Bayer Leverkusen und ab einem möglichen Viertelfinale gegen potenzielle Spitzenklubs wie Real und Atletico Madrid, Arsenal oder den FC Liverpool geht.
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