Verletzungen drastisch reduziert: Geheimnis von Gladbach enthüllt

Borussia Mönchengladbach erstrahlt 2024/25 in neuem Glanz. Das liegt auch daran, dass der Verein die Fitness der Spieler mit unkonventionellen Mitteln deutlich verbessert hat.
Gladbach bejubelt ein Tor gegen Union Berlin
Gladbach bejubelt ein Tor gegen Union Berlin / Maja Hitij/GettyImages
facebooktwitterreddit

34 Punkte, Tabellenplatz neun - Borussia Mönchengladbach zählt 2024/25 ohne Zweifel zu den positiven Überraschungen der Saison. Nach schleppendem Start mit vier Niederlagen aus den ersten sechs Bundesliga-Spielen hat sich die Mannschaft von Trainer Gerardo Seoane gefestigt und inzwischen realistische Chancen, in der kommenden Saison wieder europäisch zu spielen. Und das hat gute Gründe, etwa die Volltreffer-Verpflichtung von Topstürmer Tim Kleindienst. Aber auch vereinsintern wurde im Sommer vieles verändert.

Dass sich in der Debütsaison von Seoane nie eine Mannschaft über mehrere Wochen hinweg einspielen konnte, lag neben massiven Formschwankungen nämlich auch an zahlreichen, muskulär bedingten Verletzungsausfällen. Gleich 56-mal musste die Borussia in der zurückliegenden Saison 2023/24 aus diesem Grund auf Spieler verzichten, im Schnitt also pro Spieltag auf rund anderthalb Akteure.

Ein Wert, der ohne Zweifel viel zu hoch ausfällt - speziell für einen Verein, der sich nicht mit Dreifachbelastung umherschlagen muss. Intern wurden im Sommer im medizinischen Bereich daher eine Schraubstellen neu justiert, neue Regeln eingeführt. Wie die Bild enthüllt, soll etwa jeder Spieler nun eine App auf seinem Smartphone installiert haben, in der er jeden Morgen nach dem Aufstehen mithilfe einer Skala ausgewählte Fragen beantworten muss. Dabei soll es sich etwa um folgende Fragen handeln: "Wie hast Du geschlafen? Wo hast Du Schmerzen? Wie hast Du die Trainingsbelastung verkraftet? Wie ist Deine allgemeine Stimmung?"

Des Weiteren stehe für jeden Spieler jetzt jeden Vormittag ein "Fitness-Check" an, bei dem die wichtigsten Muskelgruppen angesprochen und überprüft würden. So entstehe dann ein Gesamtbild vom Fitnesszustand eines jeden Profis, welches per Ampel angezeigt werde. Grün steht logischerweise für fit und trainingsbereit, Gelb für Vorsicht und Rot für Aussetzen.

Wiedergegeben werde das Ergebnis für jeden Spieler und Athletiktrainer sichtbar auf großen Monitoren, die im Fitnessraum angebracht sind. Trainer Seoane bekomme die Resultate auf einen eigenen Bildschirm zugespielt und auch die Vereinsverantwortlichen um Geschäftsführer Sport Roland Virkus könnten per App auf die Ergebnisse zugreifen. Das ermögliche dem Staff, die Trainingseinheiten noch individueller und auf jeden Profi zu geschneidert zu planen. Außerdem liefere die Auswertung des Fragebogens Seoane sogar Ansatzpunkte für Einzelgespräche. Fühlt sich ein Spieler nicht wohl, kann der Trainer sofort auf ihn zugehen.

Und tatsächlich: Das neue Fitnesskonzept bei Borussia Mönchengladbach scheint in der aktuellen Spielzeit bereits Früchte zu tragen. Nicht nur sportlich läuft es 2024/25 deutlich besser, auch die muskulären Verletzungen sind zurückgegangen. Lediglich 29-mal fehlte nach 23 Spieltagen ein Spieler aus diesem Grund. Damit konnte die Borussia den Schnitt von 1,65 Muskelverletzungen pro Spieltag auf 1,26 reduzieren. Intern sei man mit diesem deutlichen Fortschritt laut Bild zurecht sehr zufrieden. Der Lohn kommt in einer eingespielten Startelf und besseren sportlichen Leistungen daher.

Und doch gibt es auch noch Luft nach oben. Blickt man in die mannschaftsübergreifenden Bundesliga-Statistiken, findet sich die Borussia 2024/25 bei der Laufdistanz nur auf Platz zehn, bei den Sprints auf Platz 14 und bei den intensiven Läufen auf Platz 13. In diesen Bereichen ackert rund die Hälfte der Liga also noch mehr und auch die Fohlen selbst legten in der zurückliegenden Saison schon bessere Laufdistanzen hin. Damals marschierten die Spieler von Seoane im Schnitt noch 117,1 Kilometer pro Spiel, jetzt 'nur' noch 116,8 Kilometer pro Spiel. Immerhin: Bei Sprints (225 vs. 202) und intensiven Läufen (713 vs. 665) sind bereits klare Verbesserungen zu erkennen. Setzt sich dieser Trend 2025/26 fort, zählt die Borussia auch dort bald wieder zur oberen Tabellenhälfte.


Weitere Gladbach-News lesen:

feed