Kritik an Löw wächst: Thon fordert Rücktritt
Von Florian Bajus

Die Kritik an Bundestrainer Joachim Löw wächst immer weiter. Weltmeister Olaf Thon fordert nun sogar seinen Rücktritt nach der Europameisterschaft.
Seit dem 1. April ist Joachim Löw der weltweit dienstälteste Nationaltrainer. Der 60-Jährige ist mit der deutschen Nationalmannschaft nach zwei Jahren der Stabilisierung unter Jürgen Klinsmann in ungeahnte Höhen vorgedrungen, erreichte unter anderem bei der Europameisterschaft 2008 das Finale und gewann 2014 die Weltmeisterschaft. Angesichts der Entwicklung der vergangenen Jahre sind derartige Erfolge jedoch Schnee von gestern - denn die Zukunft sieht alles andere als rosig aus.
Mit Kritik muss sich Löw seit seiner Amtsübernahme befassen, in der aktuellen Länderspielpause wird sie allerdings größer denn je. Geht es nach Olaf Thon, wird er in einem Jahr seinen Hut nehmen müssen: "Nach dem nächsten Turnier, nach der Europameisterschaft im kommenden Jahr, muss Jogi Löw seinen Posten räumen", fordert der Weltmeister von 1990 in seiner Kolumne für den kicker (zitiert via Sport1). "Es muss ein neuer Bundestrainer her."
Thon vermisst "Sieger-Gen"
Thon kritisiert insbesondere die Personalentscheidungen des Bundestrainers. So könne er die Ausbootung von Jerome Boateng und Mats Hummels nachvollziehen, nicht aber die von Thomas Müller: "Für mich ist es ein Fehler, einen so wichtigen und vielseitigen Spieler aus fragwürdigen Gründen nicht mehr zu nominieren", so der 54-Jährige. Darüber hinaus seien "viele personelle Entscheidungen unverständlich", außerdem stelle er fest, "dass der Mannschaft oft das Sieger-Gen fehlt, dieser unbedingte Wille, einen Vorsprung ins Ziel zu bringen - nimmt man mal die Spieler vom FC Bayern aus."
Thons Aussagen decken sich in Teilen mit der Kritik von Lothar Matthäus nach dem 3:3 im Testspiel gegen die Türkei am vergangenen Mittwoch: "Ich wundere mich, wenn ich sehe, dass da viele Spieler wie Nico Schulz für Deutschland auflaufen, die in ihren Vereinen auf der Bank sitzen", sagte Matthäus bei BILD, "genau deshalb schaltet für Deutschland keiner mehr den Fernseher ein."
Löw findet Kritik "völlig okay"
Auf der Pressekonferenz vor dem Nations-League-Spiel gegen die Schweiz relativierte Löw die aufkommende Kritik an seiner Person: "Im Fußball ist man manchmal unterschiedlicher Meinung", wird der Bundestrainer auf der Website des DFB zitiert, "die Experten müssen ihre Meinung äußern. Das ist völlig okay und für mich nicht respektlos." Wichtiger sei ihm aber, dass der Trainerstab kritisch mit der aktuellen sportlichen Situation umgeht: "Wir sitzen manchmal stundenlang zusammen und diskutieren. Dann sind wir selbstkritisch. Es harmoniert derzeit auch noch nicht so und daran müssen wir arbeiten."
""Wir sind überzeugt von dem Plan""
- Joachim Löw
Trotz der mageren Resultate in den vergangenen Monaten sieht Löw die Nationalmannschaft auf einem guten Weg: "Wir haben uns im Sommer klare Gedanken gemacht, was unsere wichtigen Schritte sind. Wir müssen das große Ganze sehen. [...] Wir sind überzeugt von dem Plan, weil wir im nächsten Jahr eine frische, hungrige, hochmotivierte Mannschaft haben wollen, die körperlich und mental in der Lage ist, das Turnier durchzuziehen. Dann können wir ein klasse Turnier spielen. Davon bin ich überzeugt."