Bayerns Message an Kimmich im Check: Wichtiges Signal oder fataler Fehler zur Unzeit?

Der FC Bayern hat sein Vertragsangebot an Joshua Kimmich zurückgezogen. Ein fataler Fehler?
Die Zukunft von Joshua Kimmich ist offen.
Die Zukunft von Joshua Kimmich ist offen. / Sebastian El-Saqqa - firo sportphoto/GettyImages
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Die Zukunft von Joshua Kimmich ist offener denn je. Die Bayern haben sich laut übereinstimmenden Medienberichten dazu entschlossen, das unterschriftsreife Vertragsangebot zurückzuziehen. Demnach scheint ein ablösefreier Abschied im Sommer so langsam näher zu rücken. Noch sind sicherlich nicht alle Worte mit den Bayern-Verantwortlichen gesprochen, jedoch hat die Aktion der Münchner schon einen enormen Einfluss auf die weiteren Verhandlungen. Wir sehen uns an, ob es richtig von den Bayern war, das Angebot an den 30-Jährigen zurückzuziehen.

Pro: Bayern darf nicht zum Spielball von Joshua Kimmich werden

Seit Monaten wird immer deutlicher, dass Joshua Kimmich die Zügel in den Händen hält. Angesichts seiner guten Saison hat er die Bayern überzeugen können, dass er noch immer wichtig ist. Dies hat seine Position enorm verbessert und die der Bayern geschwächt. Kimmich weiß genau, dass es katastrophal für den Verein wäre, wenn er sich im Sommer ablösefrei verabschiedet. Auf diese Weise kann er reichlich pokern und sich Zeit lassen. An hochkarätigen Angeboten dürfte es ihm im Sommer jedenfalls nicht fehlen. Auf diese Weise wurde der FC Bayern immer mehr zum Spielball für Kimmich, der sich seine Optionen offen lassen möchte. Theoretisch könnte sich Kimmich also noch Monate Zeit lassen, wenn das Gebot einfach auf dem Tisch liegen bleibt. In diesem Sinne ist es nachvollziehbar, dass der FC Bayern die Zügel selbst wieder in die Hand nehmen will und signalisiert, dass man nicht ewig wartet und alles in die Waagschale legt. Dieses Zeichen könnte - wenn auch nicht kurzfristig - am Ende vielleicht sogar zum Beschleuniger werden.

Pro: Bayern muss in Sachen Gehälter auf die Bremse drücken

Eigentlich hatten die Bayern das Ziel, die Kader-Kosten zu reduzieren. Auch ein Joshua Kimmich sollte ursprünglich sogar auf Gehalt verzichten müssen. Von diesem Gedanken hat man sich berechtigterweise verabschiedet, da dies angesichts der Leistungen von Kimmich nicht vertretbar wäre. Stimmen die jüngsten Medienberichte aber, haben die Bayern Kimmich sogar etwas mehr als die derzeitigen rund 20 Millionen Euro pro Jahr geboten. Dies ist schon ein Top-Angebot, mit dem man sich weiter von seiner Grundidee entfernt hat. Stimmt Kimmich dann trotzdem nicht zu, muss man sich als Verein natürlich seine Gedanken machen, ob man hier ein Stopp-Zeichen setzt. Schon die Verlängerungen mit Musiala und Davies waren teuer und auch ein Wirtz würde viel Ablöse und Gehalt kosten. Die Bayern müssen klar machen, dass das man mit dem letzten Angebot wirklich an die Schmerzensgrenze gegangen ist.

Kontra: Kimmich ist einer der besten Sechser der Welt

Es gibt noch immer reichlich Experten, die die sportliche Qualität von Kimmich infrage stellen. Dies ist aber ein absoluter Witz. Der 30-Jährige ist das Herzstück des FC Bayern, kämpft, rackert und überzeugt in fast allen statistischen Werten. Kimmich gewinnt in der Bundesliga-Saison 2024/25 bislang knapp 63 Prozent seiner Zweikämpfe (laut ligainsider.de) und bringt über 90 Prozent seiner Bälle an den Mann. Dabei greift er laut Sofascore auf 5,8 lange Bälle pro Partie zurück, wovon 80 Prozent ankommen. Zum Vergleich: Pavlovic kommt auf 2,3 lange Bälle und 64%, Palhinha auf 1,5 lange Bälle und 65%, während Goretzka mit 0,9 langen Zuspielen und 56% noch weiter zurückliegt. Zudem gilt es zu bedenken, dass er in 36 Pflichtspielen in der laufenden Saison auch schon 14 Assists gesammelt hat. Kimmich ist sowohl offensiv als auch defensiv ein enormer Faktor und es gibt in Europa kaum Mittelfeldspieler, die daran auch nur ansatzweise herankommen. Der Bayern-Star wird schlichtweg noch immer unterschätzt. Sportlich ist Kimmich kaum zu ersetzen, was eigentlich auch dem FC Bayern bewusst sein muss.

Kontra: Kimmich wird als Leader-Figur noch wichtiger

Kimmich ist nicht nur durch seine fußballerischen Fähigkeiten wichtig, sondern auch durch seinen Charakter und seine Persönlichkeit. Der 30-Jährige ist enorm ehrgeizig, holt bei jedem Spiel und jedem Training 100 Prozent heraus und fordert genau das auch von seinen Kollegen. Es ist enorm bedeutsam, solche Typen im Team zu haben, selbst wenn der ein oder andere davon vielleicht auch mal genervt sein kann. Gerade in den großen Spielen benötigt es Akteure, die auch mal Zeichen setzen und dem Gegner weh tun können. Doch auch außerhalb des Platzes ist Kimmich einer, der das Team zusammenhält, der jungen Akteuren bei der Integration hilft und zu dem diese auch aufschauen können. Diese Rolle nimmt Kimmich schon jetzt ein, jedoch dürften seine Leader-Fähigkeiten noch wichtiger werden, wenn Thomas Müller und Manuel Neuer nicht mehr aktiv sind. Kimmich ist der einzige Spieler im Kader, den man zukünftig als Kapitän ansehen könnte. Zwar sollen Musiala und vielleicht auch Davies die Gesichter der Zukunft werden, jedoch sind diese ganz andere Charaktere als Kimmich. Folgerichtig dürfen es sich die Bosse mit Kimmich nicht verscherzen.

Kontra: Der Zeitpunkt ist absolut nicht vom Vorteil

Eigentlich war es das Ziel der Bayern, die Verträge unter Dach und Fach zu bringen, ehe die ganz heiße Phase der Saison beginnt. Spätestens mit den Champions-League-Duellen gegen Bayer 04 Leverkusen ist das der Fall. Durch das Zurückziehen des Angebots hat sich der FC Bayern aber praktisch schon die Chance genommen, dass es zu einer schnellen Unterschrift kommt. Stattdessen ist das Thema nun an jeder Ecke präsent. Es ist ja nicht so, dass die Verhandlungen jetzt aufhören. In Wirklichkeit ist genau das Gegenteil der Fall. Für Kimmich wäre es auch einfacher, sich auf seinen Job zu konzentrieren, wenn das unterschriftsreife Angebot vorliegt. Für alle Beteiligten wäre es vom Zeitpunkt her sinnvoller gewesen, das Angebot erst zur Länderspielpause zurückzuziehen, sollte sich Kimmich bis dahin noch nicht festgelegt haben. Nun herrscht genau das, was die Münchner eigentlich vermeiden wollten: Maximales Chaos zum entscheidenden Zeitpunkt.

Kontra: Einladung an alle anderen Top-Klubs

Durch das Zurückziehen des Angebots haben die anderen Top-Klubs natürlich noch spitzere Ohren bekommen. Sie alle könnten versuchen, Kimmich in dem Moment zu überzeugen, in dem er sich von den Bayern vielleicht nicht optimal behandelt fühlt. Beispielsweise berichtet Sky, dass der FC Arsenal sein Interesse intensiviert habe. Weitere Vereine dürften folgen. Die Münchner haben sich mit ihrer Aktion gewissermaßen noch angreifbarer gemacht als sie es ohnehin schon waren.

Fazit:

Die Reaktion der Bayern ist zwar verständlich und gewissermaßen war es auch wichtig, ein Zeichen an den zögernden Kimmich zu setzen, dass nicht alles nach seiner Pfeife tanzt. Dennoch hat der Klub dafür einen schlechten Zeitpunkt gewählt und sollte alles daran setzen, die Verlängerung möglichst zeitnah durchzubringen. Die Verantwortlichen haben schon im vergangenen Sommer ein falsches Signal gesendet, indem man bereit war, Kimmich an Paris zu verkaufen. Dies hat natürlich auch der Spieler nicht vergessen, der bereits durch Ereignisse im Zuge der Corona-Pandemie von den Bayern enttäuscht war. Die Münchner wandeln also auf einem schmalen Grat und müssen aufpassen, dass ihnen die Sache nicht komplett entgleitet.


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